Netzwerk-Programm 2018

Die Bedeutsamkeit des Netzwerks für die Gründergeneration und Betroffene

Mehr als 20 Jahre Kooperation im Netzwerk Gesundheit-Sport-Erlebnis gehen für mich zu Ende. Bereits im August 2017 habe das Suchtreferat verlassen und widme mich neuen Themen innerhalb des DiCV. Es gibt leider keinen Nachfolger, dem ich diesen Part des alljährlichen Vorwortes im Netzwerkprogramm im Sinne eines Staffelstabes übergeben könnte. Das Programm geht Dank Gosia Kubinski und Peter Thölen weiter, auch wenn sich die Personen ändern, es bleibt die bestechende Projektphilosophie: Heilung von der Sucht fängt mit der Willenskraft im Kopf an und spiegelt sich im Tun; „Bewegung ist Belebung“ frei nach dem Slogan des CV Rhein-Berg. Was in 2018 im Programm geplant ist, sind schlichte und anspruchsvolle Freizeit-Movements. Sport und Bewegung machen den Kopf frei für den Alltag, das Aktiv-Sein ist die Formel für die Rückfallprohylaxe. Der Ex-User Daniel Busch wird im Spiegel 48/2017 mit den Worten zitiert: „Ich bekomme dabei (Anmerkung: nach seinem ersten Ironman nach 10 Jahren Drauf-sein) meine Gedanken sortiert, finde Lösungen für Probleme, grüble dadurch nicht mehr so viel. (…) Mit Heroin habe ich mich betäubt. Sport ist genau das Gegenteil. Da bin ich aktiv, da spüre ich mich. Das ist neu, und das tut gut.“ (Ebda.S.103). 

Gerne blicke ich resümierend zurück: Äußerlich gesehen fällt zunächst die Vielfalt unserer Zielgruppen auf: es kommen Menschen, so unterschiedlich sie auch immer sind, dort gerne zusammen, wo sie Gemeinsamkeiten trotz individueller Schicksale erfahren, wo sie die Gruppenerlebnisse in einem abstinenten und erlebnisaktivierenden Rahmen vorurteilsfrei erleben und wo sie handlungsorientierte und aktionsfreudig Suchtberater/innen kennenlernen, die sich gleichfalls als Lernende verstehen. Ein weiterer Trend ist auffällig und bestätigt, was wir schon immer wussten, doch zu selten ernst nehmen: Sucht-Selbsthilfe wirkt heilend allein durch die geteilten Erfahrungen ihrer Mitglieder. Die Kompetenz von Betroffenen und ehemaligen Suchtmittelabhängigen ist von unschätzbarem Wert für die Sucht(selbst-)hilfe. So hat Jürgen Fais begonnen und der Trend setzt sich fort: zahlreiche Gruppenangebote werden von „Ehemaligen“ geleitet und verantwortet. Sicherlich stellvertretend für viele und doch einzigartig in ihrer Ausdrucksweise zitiere ich mit Dankbarkeit und Freude einen Brief von Marion Bachmann an Gosia Kubinski:

„Was bedeutet Netzwerk für mich?

Das ist sehr vielschichtig und gar nicht so leicht zu beantworten. Netzwerk bedeutet für mich zunächst einmal Kontakt – zu Gleichgesinnten – Menschen, die zu Freunden werden. Viele Menschen aus meinem derzeitigen Freundeskreis habe ich bei Netzwerkveranstaltungen kennengelernt. Die Angebote sind mir eine wichtige Stütze, um Kontakt zu halten zu anderen, cleanen Menschen, die es wirklich ernst meinen mit der Abstinenz. Wer im Netzwerk ist, ist meist stabil. Man kann hier eine gute Zeit verbringen, ein Wochenende, bei dem man einfach sein kann und sich nicht mit dem Thema Alkohol auseinandersetzen muss, das einem sonst überall in der Gesellschaft begegnet. Hier sind alle gleich. Man ist nicht derjenige, der anders ist, auf Grund seiner Suchterkrankung. Man ist nicht allein. Das Thema spielt überhaupt keine Rolle und man fühlt sich nicht als Außenseiter. Das ist mitunter die wichtigste Erfahrung für mich am Netzwerk. Dass man einfach auch mal wieder Teil einer Gemeinschaft ist. Andere Menschen dabei zu sehen, wie sie ihr Leben mit der Sucht meistern und es nicht so schwernehmen, hat mir sehr dabei geholfen, mich mit meiner eigenen Situation besser abfinden zu können. In der Gruppe mit Gosia und Peter hat man das Gefühl, gleichwertig zu sein. Es ist ein Prozess auf Augenhöhe, in den sich alle einbringen können. Auch das gibt ein gutes Gefühl - eine Aufgabe und somit Verantwortung für die Gruppe zu übernehmen und zu sehen, dass man das kann. Mit dem Netzwerk bin ich in meinen allerersten Urlaub gefahren, eine Erfahrung, die ich mir alleine nicht zugetraut hätte und mir auch finanziell gar nicht hätte leisten können. Nun ist der Bann gebrochen, die Angst vor dem Unbekannten nicht mehr so groß und in den Urlaub Netzwerk-Programm 2018. Die Bedeutsamkeit des Netzwerks für die Gründergeneration und Betroffene fahren ist heute ein ganz normaler Teil meines Lebens. Dennoch verbringe ich noch immer viel und gerne Zeit mit dem Netzwerk. Einige meiner schönsten Erinnerungen der letzten Jahre habe ich in diesem Verbund gemacht. Es ist ein gutes Gefühl, in eine Gruppe reinzuwachsen, angenommen und akzeptiert zu sein, so wie man ist. Das Netzwerk hat mir außerdem geholfen, neue Interessen zu entwickeln – mein erstes Yoga-Wochenende und Gosia’s wöchentliches Angebot hat mir so gut gefallen, dass ich dabeigeblieben bin und heute ganz normal in einem Studio angemeldet bin. Der Netzwerklauf steht jedes Jahr wieder in meinem Kalender und spornt mich an, wieder etwas mehr Laufen zu gehen. Die Pilger-Reise nach Italien möchte ich natürlich auch die folgenden Jahre weiter mitmachen. Netzwerk ist eine Investition in die Zukunft. Es ist nicht zuletzt der finanzielle Aspekt, der das Netzwerk attraktivmacht. Ohne die Vergünstigungen hätte ich mir Vieles nicht leisten können. Und ohne die Angebote wäre ich heute sicher nicht da, wo ich jetzt bin. Das Netzwerk leistet einen für mich unverzichtbaren Beitrag zu einer zufriedenen Abstinenz.“

In Verbundenheit mit den verbliebenen Akteuren des Netzwerkes und dem Wunsch, dass der Spirit des Netzwerkes noch viele Staffelübergaben überlebt!

Georg Seegers
(DiCV Referent Erziehungsberatung)

Caritas Suchthilfen RheinBerg Suchtselbsthilfereferat (SKM Köln)

Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln e.V.

Verantwortlich

Gosia Kubinski

Dipl. Sozialpädagogin, Fachübungsleiterin „Reha-Sport – Sport mit Suchterkrankten“, Suchtreferentin (SKM Köln), SKM Betreutes Wohnen für Suchterkrankte, Yoga-Lehrerin (aya)

SKM Reha-Zentrum Lindental

Franzstr. 8 – 10, 50931 Köln

Tel. 0221/640 55 91
Fax 0221/9406522

Mobil: 0176-15067634
gosia.kubinski@skm-koeln.de

Peter Thölen

Jg. 69, Köln. Dipl. Soz.päd, Mitarbeiter der Caritas Suchthilfe RheinBerg, Arbeitsschwerpunkt Betreutes Wohnen und das Projekt „Bewegung ist Belebung“, Fachübungsleiter „Rehasport- Sport mit Suchterkrankten“

Caritas Suchthilfen RheinBerg

Bensberger Str.190, 51469 Bergisch Gladbach

Tel. 02202/1008-201
Fax 02202/1008-288

p.thoelen@caritas-rheinberg.de